Sonntag, 5. Februar 2012
Meine letzten Tage und Wochen in Arequipa sind so schnell vergangen, dass ich gar nicht die Zeit gefunden habe einen weiteren Blogeintrag zu schreiben. Im Januar war aber auch Einiges los im Casa Verde:
Da die Kinder alle Ferien hatten, mussten sie Tag und Nacht betreut werden, so dass die Betreuer und wir Freiwilligen kaum eine Verschnaufpause hatten. Und diesmal stand allerhand Aufregendes auf dem Programm. In Arequipa werden von der Stadt aus einige Ferienfreizeiten und Kurse für Schulkinder veranstaltet. Normalerweise sind diese kostenpflichtig und auch gar nicht so günstig. Doch durch gute Kontakte der Kinderheimleitung zur Stadtverwaltung ist es uns gelungen, dass alle Kinder von Casa Verde kostenlos an den Ferienkursen teilnehmen dürfen und das ist natürlich super und für die Kinder ein Riesenspaß. Das heisst von Montag bis Freitag stehen jetzt Fußball, Theater, Singen, Tanzen und Vieles mehr auf dem Programm. Die Kinder haben ihre helle Freude und mittlerweile auch einen gut gefüllten Terminkalender ; )
Diejenigen, die schulische Probleme haben (insbesondere die Kinder, die erst seit kurzem im Casa Verde sind und deren schulische Leistungen leider nicht so gut sind) haben in den Ferien nun Nachhilfeunterricht. Sie müssen sich schon sehr anstrengen um ihre Leistungen auf den für ihr Alter angemessenen Stand zu bringen, aber sie sind sehr motiviert und beißen sich durch. Wenn alles gut geht, können Sie also nach den Ferien hoffentlich am normalen Unterricht teilnehmen.
Ende Januar ist dann für mich die Zeit des Abschieds gekommen und dieser ist mir mehr als schwer gefallen. Die Kinder sind mir in der kurzen Zeit so ans Herz gewachsen, dass ich am liebsten da geblieben wäre. Zumindest haben wir uns noch einen richtig schönen Tag gemacht, mit Torte, Popcorn und Allem was dazu gehört.
Zurück in Deutschland muss ich mich nun erst wieder ein bisschen einleben und an die Kälte und die anderen Umstände gewöhnen. Rückblickend bin ich mehr als froh, dass ich diese tollen Erfahrungen machen durfte. Auch wenn es nicht immer einfach war, habe ich drei tolle Monate in Peru verlebt und bin um viele Erkenntnisse reicher zurück gekehrt.
Aber ich habe Peru nicht "Lebe wohl" gesagt, sondern eher "Bis zum nächsten Mal", denn ich werde ganz sicher wieder nach Arequipa reisen um "meine Kinder" wieder zu sehen.




Montag, 9. Januar 2012
Die Feiertage sind wie im Flug vergangen und waren für die Kinder natürlich ein besonderes Highlight. Es war jede Menge los und die Kinder waren schon Tage vor Weihnachten total aufgeregt.
Das Haus wurde geschmückt und wir haben sogar eine große Krippe im "Wohnzimmer" aufgebaut. An Weihnachten selbst gab es dann ein tolles Weihnachtsessen - zum ersten Mal sogar mit Pute.
Alle Kinder (Jungs und Mädchen) haben gemeinsam mit den Betreuern und Angestellten von Casa Verde gefeiert, gesungen, kleine Theaterstücke vorgeführt und einen tollen Tag verbracht.
Natürlich gab es auch Geschenke für die Kleinen und um Mitternacht haben alle das Feuerwerk über der Stadt von Arequipa bewundert (das ist hier an Weihnachten so Brauch).
Nun sind hier gerade im Januar und Februar die großen Sommerferien (in Peru ist derzeit Sommer) und alle haben schulfrei. Dafür haben die Kinder aber jede Menge tolle Dinge zu tun. Unter der Woche werden von der Stadt aus verschiedene Freizeitaktivitäten veranstaltet, für die sich die Kinder anmelden durften. Von Montag bis Freitag wird nun vormittags geschwommen, getanzt, gesungen und Theater gespielt. An den Nachmittagen bleibt so immer noch genügend Zeit um die verschiedenen Aufgaben im Haus zu erledigen und ein wenig für die Schule zu üben.
Der Sommer hier in Arequipa hat auch jede Menge Regen mit sich gebracht. Die letzte Woche hat es eigentlich ununterbrochen geregnet. Da die Kanalisation (soweit vorhanden) hier leider nicht für solche Regenmassen gemacht ist, sind sämtliche Straßen überschwemmt und es bilden sich richtige Flüsse, die man dann irgendwie überqueren muss. Nasse Füße sind daher leider gerade der Dauerzustand, aber bisher haben wir es abgesehen von kleinen Erkältungen noch ganz gut überstanden. Heute scheint endlich mal die Sonne und mit ein bisschen Glück bleiben wir zur Abwechslung mal trocken.
Samstag, 17. Dezember 2011
Nun hat es tatsächlich geklappt und wir sind mit allen
Kindern in den Zoo gefahren. Fast wäre es daran gescheitert, dass ich keinen
Bus gefunden habe, der groß genug war um alle Kinder zu transportieren, aber da
der Platz in Fortbewegungsmitteln hier in Peru etwas anders gemessen wird, war
es kein Problem.
Die Kinder waren schon Tage vorher aufgeregt, da einige von
ihnen noch nie in einem Zoo waren. Leider waren bei dem Ausflug selbst dann
nicht alle dabei, da einige Kinder leider aufgrund ihres Verhaltens Hausarrest
hatten.
Wir wurden mittags von dem Bus abgeholt und sind dann eine
knappe Stunde zum Zoo gefahren. Unterwegs war schon viel Trubel im Bus und alle
waren ganz aufgedreht.
Der Zoo liegt in mitten eines Armenviertels von Arequipa und
beherbergt eine Menge verschiedener Tiere, insbesondere einheimische Arten von
denen es hier in Peru eine ganze Menge gibt.
Als wir dann endlich im Zoo selbst waren, sind alle Kinder
in alle Himmelsrichtungen ausgeströmt und haben sich erst einmal alles
angeschaut. Insbesondere waren sie natürlich von den großen Raubkatzen und von
den Affen begeistert.
Dann haben wir ein weiteres Highlight gefunden: einen großen Abenteuerspielplatz mit
Schaukeln, Rutschen und kleine Karussellen. Da haben wir dann den Rest des Nachmittags
verbracht.
Da es um 18 Uhr hier schon dunkel wird, war dann auch die
Zeit zum Aufbruch gekommen. Alle waren müde und glücklich und sind teilweise schon
im Bus eingeschlafen.

Mittwoch, 7. Dezember 2011
Ich habe mich mittlerweile schon richtig gut eingelebt und bin im Alltag von Case Verde angekommen.
3 Tage die Woche arbeite ich im Büro, wo ich Übersetzungen mache, bei der Beantragung von Fördermitteln unterstütze und mich vor allem um das Café und alles was mit Kommunikation zu tun hat kümmere.
Bisher wurde das Café, dass auch als Aushängeschild und erster Kontaktpunkt zu Casa Verde dient, kaum beworben, was ich derzeit ändere. Zudem haben wir allerlei Verschönerungsmassnahmen umgesetzt, um die Gäste dann auch zum wiederkommen zu animieren. Wenn alles fertig ist, werde ich ein paar Fotos posten.
Auch die Arbeit mit den Kindern macht mir viel Spass. Ich bin vor allem im Jungshaus und betreue die Kinder bei den Hausaufgaben, lerne mit ihnen für Klausuren, spiele mit den Kleinen und begleite sie in ihrer Freizeit.

Ein kleiner Junge namens Gil ist mir besonders ans Herz gewachsen. Er ist 13 und gerade erst wenige Wochen im Casa Verde. Er stammt aus einem Dorf aus den Hochanden und hat bisher leider nicht die Möglichkeit gehabt, eine Schule zu besuchen, da er seiner Familie bei der Arbeit auf dem Feld helfen musste. Das ist der Grund, weshalb er weder richtig schreiben, lesen noch rechnen kann. Mit ihm habe ich nun schon viele Nachmitage verbracht und wir üben fleissig. Dabei beeindruckt mich immer wieder wie konzentriert er mit mir arbeitet und auch nach 3 Stunden noch motiviert ist. Man merkt richtig, dass er lernen will und unbedingt bald lesen können möchte.
Er hat auch schon kleine Fortschritte gemacht: Das Alphabet kann er schon ganz gut und auch das Lesen und einfache Rechnen klappt schon so langsam.

Vorgestern war ein ganz besonderer Tag für die Kinder, denn es kam ein Clown zu Besuch. Dabei handelte es sich um einen jungen Touristen aus Frankreich, der von Casa Verde gehört hatte und im Café vorbei kam, um uns eine kostenlose Show für die Kinder anzubieten. Die Kleinen waren hellauf begeistert und es waren 2 wirklich schöne Stunden mit leuchtenden Augen und viel Gelächter. Der Clown gab den ganzen Nachmittag lang Kartentricks, Jonglierkünste und andere Vorführungen zum besten und zum Abschluss hat jedes Kind noch ein kleines „Ballon-Tier“ geschenkt bekommen.

Samstag, 26. November 2011
Zurzeit leben rund 30 Kinder und Jugendliche in den beiden Häusern: "Casa Trampolines Varones" (für die Jungs) und "Casa Trampolines Mujeres" (für die Mädchen).
Je sechs Kinder teilen sich ein Zimmer mit drei Hochbetten, so dass es schon ein wenig eng werden kann. Neben den Schlafräumen gibt es in den Häusern einen Aufenthaltsraum, ein Bad, eine Küche mit Esszimmer sowie einen kleinen Garten.
Die Kinder werden Tag und Nacht von zwei Pädagogen betreut (es gibt eine Tag- und eine Nachtschicht).
Morgens gegen 6.00 Uhr stehen alle auf um sich für die Schule fertig zu machen, zu frühstücken und in ihren Zimmern Ordnung zu machen. Dann ist es am Vormittag erst einmal ganz ruhig, denn alle sind in der Schule. Gegen 13 Uhr treffen die ersten Kinder im Gemeinschaftshaus von “Casa Verde” ein, wo eine Köchin das Essen für die beiden Häuser zubereitet. Mein Tag im Casa Verde beginnt meistens hier und so mache ich mich gemeinsam mit den Jungs, die mit grossen Töpfe und Schalen mit dem Essen für ihre Wohngruppe beladen sind, machen wir uns auf den Weg zur Casa Trampolines.
Dort angekommen wird meist schnell geduscht und Kleidung für zu Hause angezogen. Dann wird das Mittagessen verteilt und es wird mit viel Lärm gemeinsam zu Mittag gegessen. Jeden Tag hat ein anderer Junge Küchendienst und spült das Geschirr von allen, wischt und fegt die Küche sowie das Esszimmer und sorgt dafür das alles ordentlich ist.
Nach dem Essen werden dann zuerst einmal die Hausaufgaben erledigt. Bei der grossen Anzahl an Kindern kann der Betreuer natürlich nicht allen Kindern helfen. Zum Glück sind meist 1-2 Freiwillige vor Ort, die die Hausaufgaben betreuen, aber selbst zu zweit ist eine Menge zu tun und manchmal wünscht man sich der Nachmittag hätte ein paar Stunden mehr.

Was mich an den Kindern im Casa Verde am meisten beeindruckt hat ist, wie selbstständig und diszipliniert sie sind. Jeder hat seine Aufgaben und alle helfen mit - sogar schon die Kleinsten legen ihre Wäsche zusammen, räumen auf etc.
Mehrmals die Woche und insbesondere Samstags waschen die Jungs ihre Kleidung. Das geschieht nicht wie bei uns in modernen Waschmaschinen mit Vollautomatik, sondern die Kinder (auch die Kleinen) waschen ihre Kleidung in Plastikwannen von Hand.
Auch sonst gibt es immer viel zu erledigen: aufräumen, Kleidung zusammen legen und akurat in die Schränke sortieren, Einkäufe in die Küche tragen und einräumen, Obst waschen und Vieles mehr.

Mit ein bisschen Glück bleibt vor dem Abendessen auch noch ein bisschen Zeit zum Spielen und bei so vielen Kindern ist immer etwas los. Es wird Musik gehört, gepuzzelt, Fussball gespielt, der Garten gepflegt oder gemalt.
Auch ein Spielplatz ist in der Nähe, auf den die Kleineren (der jüngste Bewohner im Jungshaus ist gerade einmal 5) gemeinsam mit den Freiwilligen gehen können. Allerdings wird es in Arequipa - obwohl gerade Sommer ist - schon um 18 Uhr dunkel, so dass nicht all zu viel Zeit zum spielen bleibt.

Gegen 19 Uhr gibt es dann das Abendessen und nachdem das Geschirr gespült ist heisst es noch ein letztes Mal aufräumen, Zähne putzen und "ab ins Bett".
 (Einer der Jungs hatte Geburtstag und es gab zur Feier des Tages Pommes und Cola)
Mittwoch, 16. November 2011
Im Sommer 2011 habe ich mich dazu entschieden mir für ein paar Monate eine Auszeit von meiner Arbeit in Deutschland zu nehmen und auf eigene Kosten nach Peru zu gehen um in unserem Partnerprojekt - dem Kinderheim Casa Verde in Arequipa – als Freiwillige zu arbeiten.
Die Vorbereitungen waren relativ schnell getroffen und mittlwerweile bin ich schon 3 Wochen in Peru. Ich habe mich schnell eingelebt und arbeite nun 3 Tage die Woche im Büro und 2-3 Tage im Kinderheim.
Im Büro bin ich vor allem für Übersetzungen, Fördermittelanträge und
Spenderkommunikation zuständig. Zudem habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, das „Café Casa Verde“ in Arequipa, ein kleines Kaffee im historischen Zentrum der Stadt, dessen Erträge vollständig in die Projektarbeit fliessen, ein bisschen auf Vordermann zu bringen. Die Lage und auch die angeboteten Speisen sprechen für das Kaffee, leider hat es aber eine Instandhaltung bitter nötig und auch die Angestellten sollen ein bisschen in betriebswirtschaftlichem Denken geschult werden, um das Kaffee noch rentabler zu machen.

Die grösste Freude macht mir jedoch die Arbeit mit den Kindern. Das Kinderheim an sich besteht aus zwei verschiedenen Häusern – eins für Jungs und eins für Mädchen – in denen im Moment 27 Kinder und Jugenliche im Alter von 5 – 17 Jahren leben. Die meisten der Kinder haben in ihren Familien Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung erfahren müssen, andere von ihnen haben schon längere Zeit auf der Strasse gelebt. Auf richterliche Anweisung sind sie nun ins Casa Verde gekommen, wo sie ein neues Zuhause gefunden haben. Durch den schwierigen familiären Hintergrund der Kinder, kennen viele von ihnen kein richtiges Familienleben und müssen sich erst einmal an für andere ganz normale Dinge wie Vertrauen, Ehrlichkeit, Disziplin etc. gewöhnen.
Den Grossteil meiner Zeit bin ich im Jungshaus und helfe den Kindern bei den Hausaufgaben, spiele mit den Kleinen und sorge dafür, dass sie ihre Aufgaben erledigen. Bereits in der kurzen Zeit sind mir einige von ihnen richtig ans Herz gewachsen und ich bin gespannt wie die nächsten Wochen hier noch weiter gehen.

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